Geschichte der Schlaghose

Die bewegte Geschichte der Schlaghose

Der charakteristische Schlag unterhalb des Knies war bis Anfang der 60er Jahre nur Matrosen und Zunftgenossen vorbehalten. Sinn der glockenförmigen Erweiterung des Hosenbeins war, Schuhe und Fußgelenke vor Schmutz, Wasser und herunterfallenden Hobelspänen zu schützen.

Die Schlaghose eine eigene Geschichte

Erst 1968 schaffte der "Schlag" den Sprung in die Modeszene, und zwar zeitgleich in den USA und England. Die damals angesagten hautengen Cordhosen in "Hochwasserlänge" in Verbindung mit Cordjacken bekamen Konkurrenz: von einer Variante, die unterhalb des Knies weiter wurde und bis zum Boden reichte. Der Hippie-Look war geboren. Wichtig war, dass die Schlaghose einen engen, taillenformenden hohen Bund hatte und bis zum Knie hauteng geschnitten war. Erst knieabwärts durfte die Fußweite in den Schlag übergehen. Dieser Schnitt war bei Männern und Frauen gleichermaßen beliebt, wobei die Silhouette jedes noch so männlichen Körpers in Schlaghosen zwangsläufig weibliche Konturen bekam, was mit der sexuellen Revolution und den Langhaar-Frisuren bei Männern korrespondierte. Als 1969 das Woodstock-Festival stattfand, galten Schlaghosen auch in Europa bereits als "Uniform" der Hippie- und Anti-Establishment-Bewegung. Schlaghosen, Kiffen und freie Liebe bildeten eine begriffliche Allianz. Auch die klassische Cordjacke wurde diesem Thema angepasst und tauchte plötzlich als bunte, längere Variante mit weiten Ärmeln auf.

Musiker und Publikum trugen die begehrten Bell-Bottoms, was ein Gefühl der Zusammengehörigkeit schaffte. Dabei zogen sich die Schlaghosen quer durch die Musikstile, von Country und Rock bis Psychedelic, von den Eagles über Genesis und Uriah Heep bis The Who. Auf der Bühne wurden Schlaghosen meist mit breiten Gürteln, bunten Westen über nacktem Oberkörper und abenteuerlich hohen Plateauschuhen kombiniert, während Fans dazu T-Shirts und Wildlederstiefel oder Sandalen kombinierten.

Die Glanzzeit der Schlaghose dauerte bis 1979. Dann verschwand sie praktisch über Nacht und wurde durch weniger körperbetonte Hosenmodelle mit geradem Bein ersetzt. Ein Grund dafür war der aufkeimende politische Neo-Konservatismus der 80er Jahre, der alles, was an Flower-Power, Rebellion und Hippiekultur erinnerte, aus dem Gesellschaftsbild zu verdrängen versuchte. Erst seit Mitte der 90er Jahre belebt die Schlaghose wieder zunehmend das modische Geschehen und wird seitdem immer wieder neu interpretiert.